03 Juni 2007

Gott segnet keine Besserwisser

Als Gott Anweisungen für den Bau der Siftshütte gab, den Ort seiner Gegenwart während der Wüstenwanderung des Volkes Israel, da waren diese Anweisungen sehr detailliert und genau. Sie reichten von der Kleidung und dem Verhalten der Priester bis zu den Quasten an den verschiedenen Zeltbahnen. Alles sollte bis ins kleinste Detail nach seinen Anweisungen angefertigt und gemäß seinen Anweisungen benutzt werden. Er duldete keinerlei Abweichungen dabei. Als alles fertig und die Wartezeit eingehalten war, kam Gottes Geist und erfüllte den Ort. Wie genau Gott es nahm mussten zwei der Söhne Aarons erfahren, die für ihre Eigenmächtigkeit in diesem Moment mit dem Leben bezahlten. Ein Ort der Gegenwart Gottes ist stets auch ein gefährlicher Ort.


Die Anweisungen für den späteren Tempel in Jerusalem waren wieder sehr genau. Es ging nicht darum irgend einen Tempel zu bauen, sondern diesen einen ganz besonderen. Die gesamte Architektur, die Anordnung der Räume, Mauern und Höfe, die Dicke und Art der Mauern, die Materialien, alles war bis ins Kleinste vorgeschrieben. Es gab keine Spielräume für die Baumeister. Erst als alles so gebaut war, wie Gott es befohlen hatte und Salomo schließlich den Tempel eröffnete, da kam Gottes Geist und erfüllte den Ort, dass niemand mehr stehen konnte.


Heute gibt es keinen Tempel aus Stein mehr. Der Ort der Gegenwart Gottes ist kein Haus mehr. Seine Gemeinde, die Gemeinschaft der Menschen, die er herausgerufen hat, bildet seinen Tempel. Hier ist der Ort seiner Gegenwart.


Auch für diesen neuen Tempel hat Gott genaueste und detaillierte Anweisungen gegeben, wie er zu bauen ist, wer zu welchem Dienst herangezogen wird und wie er ihn zu verrichten hat.


Aber wir kümmern uns nicht darum. Es ist uns egal. Wir bauen den Tempel Gottes so, wie es uns gefällt. Wir ziehen dabei alles Mögliche zu rate, aber nicht seine Anweisungen. Wie Gott sein Haus gebaut haben will, ist für uns so abstrus, dass wir nicht im Entferntesten daran denken, seine Worte ernst zu nehmen. Lieber bauen wir unseren Tempel, unser Haus, unsere Gemeinde. Und dann soll Gott kommen und den ganzen großen Misthaufen segnen. Das tut er nicht.


Wir arbeiten viel, aber es kommt nichts dabei heraus. Wir evangelisieren mit großem Aufwand. Aber wenn man nach ein paar Monaten nachsieht, was dabei herauskam, so ist das Ergebnis erschütternd, denn es war wieder fast nichts. Diese Gebilde, die wir Gemeinde Gottes nennen wachsen nicht mehr. Sie sind unfruchtbar. Wir bauen unser Ding auf unsere Weise, aber das Haus Gottes, so wie er es haben will, das wird nicht gebaut. Schlimmer noch, es wird aktiv verhindert, dass es gebaut werden kann.


Ihr evangelisiert und wollt, dass euer Haus wächst, das der Baptolaner, der Lutheristen oder der Charismaten. Wenn jemand anfangen will, Jesus nachzufolgen, dann macht ihr aus ihm einen der euren, einen neuen Kathololiker oder Evangelikalurken und lehrt ihn von Anfang an, auf euren krummen Wegen zu gehen. Ihr seid blind und schlagt andere auch mit Blindheit.


Mir ist kein Wort in der Bibel bekannt, das mit so eindringlichen Worten eingeleitet wird, wie das von der Ordnung der Gemeinde im Brief an die Epheser. Nirgends sonst wird so ausdrücklich und ausführlich begründet, dass das, was jetzt kommt, der überlegteste und ausgereifteste Plan ist, den Gott für seine Gemeinde mitteilen will. Nachdem Jesus alles im Himmel und auf der Erde im Diesseits und Jenseits gründlich erforscht hat, gibt er eine Antwort, die alles einschließt was im gesamten Kosmos, im Diesseits und Jenseits zu finden ist. Es ist der Basisplan für die Gemeinde, der zentrale Grundriss auf dem alles weitere aufbaut. Es ist die Antwort für Erde, Himmel und Hölle. So soll sie aussehen. Gott setzt ein, als erstes Apostel, dann Propheten, dann Lehrer, Hirten und Evangelisten. Das ist der Plan. Aber er interessiert euch nicht. Ihr habt ihn nach euren Wünschen umgebaut. Zuerst und am gründlichsten verwarft ihr die Apostel. Denn sie waren es, die es nie ertragen haben, dass ihr euch aufteiltet in Petristen und Paulisten, in Ost- und Westkirche in Baptolaner und Lutheristen. Sie haben es nie ertragen, dass ihr aus der Gemeinde eine Organisation gemacht habt. Sie haben es nicht ertragen, dass ihr menschliche Hierarchien geschaffen und Jesus als das Haupt der Gemeinde verworfen habt. Sie haben eure falschen und toten Gottesdienste nicht ertragen. Sie sollten den Bau leiten und überwachen. Aber ihr wolltet das nicht. Ihr wolltet euer Haus bauen, eure Organisation euer Werk. Die Apostel sind bei euch stets die ersten, die gehen müssen. Sie sind die ersten, die den Mund verboten bekommen. Niemand will sie hören. Als nächstes mussten die Propheten gehen, weil ihre dauernden Mahnungen nicht willkommen waren. Bestenfalls habt ihr die Propheten ertragen, die euch nach dem Munde redeten und eure Eigenmächtigkeit nicht ansprachen.


Ihr habt die verworfen, die Gott an die erste Stelle gesetzt hat! Wie soll ein Tempel gebaut werden, wenn das wichtigste Element von Anfang an fehlt? Wie soll der funktionieren?


Fangt an und baut Gottes Haus. Nicht eure eigenen. Ihr aber seid Meister darin, die geraden Worte Gottes krumm zu machen. Manche sagen, Apostel und Propheten gibt es nicht mehr. Es ist schon alles gesagt und aufgeschrieben. Aber sie sagen es nur, um ihre eigenen Wege zu rechtfertigen. Manche sagen, die Apostel, das sind die Leiter unserer Kirchenverbände. Und es kann sein, dass eine ungehorsame, eigenmächtige Gemeinde ihre Apostel kauft und gefügig macht, mit falscher Arbeit überschüttet und sie so zum Schweigen bringt, bis sie verbogen, gebrochen und harmlos geworden sind.


Die meisten von ihnen aber stehen außen, außerhalb jeder Gemeinde und schauen fassungslos auf die Blindheit und den Ungehorsam. Sie ertragen nicht, was dort geschieht. Sie können niemals einen Namen tragen, der einer Gemeinde von Menschen gegeben wurde. Wie kann einen menschlichen Namen tragen, was Gott allein gehört? Der Name verrät, wie wir die Sache wirklich sehen, was die wahren Besitzverhältnisse sind.


Es sind allein die Apostel, die einer ungehorsamen Gemeinde den Weg zurück wieder zeigen können, zurück zu einer Gemeinde nach dem Herzen Gottes. Viele Jünger lesen mit leuchtenden Augen von der ersten Gemeinde in Jerusalem oder von den ersten Gemeinden im Mittelmeerraum. Sie können erkennen, dass das, was dort beschrieben ist richtig und gut ist. Aber sie finden den Schlüssel nicht. So bleiben sie bei Treffen, die zwar dem Namen nach Gottesdienste sind, die aber mit den Gottesdiensten des neuen Testaments nichts zu tun haben. Sie bleiben in Kirchen, die zwar dem Namen nach Kirchen sind, die aber mit der Kirche des neuen Testaments nichts zu tun haben. Sobald sie versuchen, ohne Apostel zu bauen, wird es wieder schief.


Wenn das Volk Israel erschüttert war, dann suchte es die Propheten um von ihnen den Willen Gottes zu erfahren. Eine ungehorsame Gemeinde muss als erstes ihre Propheten wiederfinden. Dann kann sie beginnen mit ihnen gemeinsam die Apostel zu suchen und zu rufen. Das ist nicht leicht. Denn die Apostel sind demütige Leute. Sie tragen keinen leuchtenden Aufdruck auf ihren Jacken. Sie bezeichnen sich selbst nicht als Apostel, bestenfalls als apostolisch. Wer sich selbst so nennt, ist es wahrscheinlich gar nicht. Apostel sind erprobte und gereifte Leute. Sie sind nicht mehr stolz. Sie werden sich nicht vor der Gemeinde zu erkennen geben. Sie müssen von der Gemeinde erkannt werden.


Solange die Apostel nicht zurück sind, wird gar nichts passieren. Kehren sie aber zurück, so ist dies das Ende für viele liebgewordene Dinge. Sie sind das Ende der Götzen, auch der unerkannten Götzen. Mit ihnen kommt das Risiko zurück. Mit ihnen beginnt der Kampf von neuem, zu dem die Gemeinde gerufen ist. Sie sind das Ende der Denominationen, das Ende der Institutionen und das Ende der Organisationen. Sie sind das Ende der Gemeinden und ihr Anfang. Sie sind das Ende der Kirchengebäude, der Liturgien und Rituale, der Programme. Sie sind das Ende des Klerus und das Ende der Laien.


So wie die Reformkönige des alten Testaments die Häuser und die Höhen der Berge von falschen Altären und Götzen reinigten, so reinigen die Apostel die Gemeinde. Am Ende wird sie nicht wiederzuerkennen sein. Eine Gemeinde ohne Namen, ohne Pastor, ohne Kirchengebäude, ohne Programm, ohne die alte Leitungsstruktur, ohne Liturgie, ohne Mitgliedschaft, ohne Herrschaft Mammons, wird sehr anders aussehen.


Und sie wird in ihrem ganzen Wesen sehr anders sein. So wie Gott sie wollte. Lebendig, geisterfüllt, ein Ort seiner ständigen Gegenwart. Unberechenbar, kraftvoll. Und gleichzeitig schwach, klein, namenlos. Und gerade darin unbesiegbar. Die Hölle wird wieder zittern.


Gott hat die Apostel eingesetzt, damit sie seiner Gemeinde diesen Weg zeigen und sie auf diesem Weg halten. Es ist ein Weg voller Unsicherheiten, voller Wagnis und voller Veränderungen. Ein Weg von Saat und Ernte, von Tod und Auferstehung, von Fülle, Wachstum und Glück. Sie lassen die Gemeinde nicht in falscher Ruhe. Sie fordern heraus. Sie zeigen wie es geht. Niemand kann das außer ihnen. Gott wollte es so. Wer's nicht glaubt, der soll es an der Bibel prüfen.


So wie Gott es liebt, dass wir ihm freiwillig folgen, so kann man auch den Aposteln nur freiwillig folgen. Sehr viele werden es niemals tun. Sie werden in ihren falschen Gemeinden bleiben und ihre falschen Gottesdienste richtig nennen. Sie werden die Unordnung Ordnung nennen und den Ungehorsam Gehorsam. Sie werden daran ersticken. Am letzten Tag möchte ich keiner von ihnen sein.


Viele hören jetzt den Ruf. Viele spüren es längst in ihren Herzen, dass es Zeit ist für einen neuen Anfang. Aber wollen sie diesen Anfang noch, wenn sie sehen, wie er aussieht? Was dann kommt ist kein Spiel mehr. Es besteht nicht in Worten. Es ist der erneute Ruf in die Nachfolge. Gemeinsam mit Leuten, die es ernst meinen.

27 Mai 2007

Gemeinde ist nicht sesshaft

Gottesdienste im neuen Testament unterscheiden sich grundlegend von denen des alten Testaments und grundlegend von den Gottesdiensten, wie wir sie heute kennen.

Allerdings gibt es klare Parallelen zwischen den Gottesdiensten des alten und neuen Testaments. In jedem Fall waren sie nicht vom Leben zu trennen. Fromm zu tun, ohne ein gerechtes Leben zu führen, ist für Gott absolut ekelhaft und widerlich.

Im neuen Testament gibt es keinen Tempel mehr und keinen Ritus. Beides wird ins ganz normale Leben hinein aufgelöst. Wie das geht, hat Jesus uns gezeigt und die frühe Kirche hat es fortgesetzt. Allerdings gelang es nur für kurze Zeit, diesen Anspruch durchzuhalten.

Im neuen Testament steht, dass es ein Gottesdienst ist der Gott gefällt, wenn man die Witwen und Waisen, also die Schwachen und Rechtlosen besucht. Es gefällt Gott, wenn wir die Schwachen kennen, mit ihnen Zeit verbringen, ihnen zuhören, auf sie eingehen, an ihrer Seite bleiben und uns für sie einsetzen. Was in dieser Situation geschieht, vom Schuhe putzen bis zum Scherz, ist Gottesdienst. Denn es geschieht in Gottes Gegenwart, unter der Leitung seines heiligen Geistes.

Und damit wird für mich langsam deutlich, was mit Gottesdienst gemeint ist: eine hilfreiche, kreative Zeit in seiner Gegenwart, die den Schwachen hilft. Eine Zeit, die Gott durch seinen Geist gestalten kann. Eine Zeit, in der er beiden, Besuchtem wie Besucher, etwas von seinen großen Plänen zeigen kann. Und eine Zeit, in der er anfangen kann erste Schritte zu seinen Plänen zu verwirklichen. Und zwar an dem Ort, wo die Schwachen wohnen.

Ich setze mich nun seit vielen Jahren für behinderte Kinder und Jugendliche und deren Familien ein. Ich tue dies nicht allein. Das ginge gar nicht. Es ist eine aktive, aufmerksame Gruppe von Eltern, Betroffenen, Professionellen, die miteinander die Lage der Schwachen ansehen und die gemeinsam nach langfristigen Lösungen suchen. Wir denken über die Gesellschaftlichen Auswirkungen nach. Wir arbeiten an Möglichkeiten, den Schwachen ein selbstbestimmtes Leben zu eröffnen. Wir stehen vor einer faszinierenden Fülle von Aufgaben, Herausforderungen und Chancen. Die Schwachen sind ein ganz wesentlicher Teil des Ganzen. Wer hier beginnt, entdeckt sehr schnell, dass ein großes und bewegendes Abenteuer vor ihm liegt. Der Weg ist nicht leicht. Aber er ist sehr gut. Unsere Treffen werden immer kreativer, begeisternder und konkreter. Wir tun, wovon wir reden und wir spinnen den Faden immer weiter, lassen unsere Träume wachsen und orientieren uns nach jedem Schritt neu, weil immer neue Ideen und Ansätze dazu kommen.

Wir gehen Risiken ein. Wir machen Fehler. Wir scheitern manchmal. Aber wir kommen vorwärts. Manchmal schauen wir zurück, auf die Menschen, denen wir geholfen haben, auf Schulen, die wir dauerhaft zum Guten verändert haben. Und dann schauen wir nach vorn auf das, was wir alles noch vor haben. Wir genießen es, unsere Träume zusammenzuschmeißen und daraus einen neuen größeren gemeinsamen Traum zu gewinnen. Wir genießen es, wie wir einander besser kennen lernen, wie wir uns gegenseitig schätzen lernen und eine Gemeinschaft werden. Jeder bringt mit, was er hat und gibt es den anderen. Wir lernen, unsere Träume zu leben. Nicht als Institution oder Organisation, sondern als Freunde. Aber es ist kein Kaffeeklatsch. Dafür haben wir fast nie Zeit. Es sind Kreativbesprechungen, wie ich sie aus meiner Arbeit in der IT- und Werbebranche kenne. Wir suchen Wege, um mit einer gegebenen Herausforderung kreativ und erfolgreich umgehen zu können.

So stelle ich mir auch neutestamentliche Gottesdienste vor. Es sind Kreativbesprechungen, bei denen jeder das einbringt was er hat, um den Herausforderungen vor denen alle, andere, oder einzelne stehen begegnen zu können. Bisher kenne ich das nur von Gruppen, die ohne den Heiligen Geist und ohne die Vollmacht Gottes arbeiten. Ich sehe aber im neuen Testament, dass Gemeindeversammlungen genau so ausgesehen haben. Außerdem hat man zusammen gegessen, Kaffee getrunken und gelacht. Mehr noch, es hatte Elemente einer Familie, einer Sippe. Letztlich war es sogar Familie. Aber diese Erfahrung fehlt mir noch. Ich freue mich aber sehr darauf.

Gottesdienste waren konkret. Sie waren Kreativgespräche, schöpferisch, durch Offenbarung, Liebe, Vollmacht. In einem Gottesdienst ist tatsächlich etwas geschehen. Man konnte niemals sagen, was im nächsten Gottesdienst passieren würde. Nicht einmal, wann er stattfindet. Man war nie sicher vor Gottes Ideen. Und er hat noch immer die allermeisten.

Wir haben eine verheerende Tendenz, Hütten bauen zu wollen, uns niederzulassen, Formen zu suchen. Aber wir leben in einem Krieg. Die Fronten ändern sich andauernd. Wir sollen erobern. Wir müssen uns bewegen. Wir brauchen ausschließlich die Form, die Gott uns gibt. Eine Armee im Feld hat eine Menge klarer Ordnungen, ohne die sie ihren Feinden schutzlos preisgegeben wäre. Sesshaftigkeit zählt nicht dazu.

Wo finden wir das erste und wichtigste Vorbild für neutestamentliche Gemeinde? Bei Jesus selbst. Er hat seinen Jüngern zuerst abverlangt, dass sie sich in Bewegung setzen. In riskante Bewegung ohne Sicherheiten. Wer glaubt ernsthaft, dass sich dies heute geändert hat? Es gehört zu schmerzlichsten Entwicklungen in der Reformation, dass jene, die damals wirklich ernst machten, die so genannten Wiedertäufer, blutig verfolgt wurden. Stattdessen wurde ein bürgerliches Evangelium der Sesshaftigkeit und des Anstands gepredigt. Damit wurde die Reformation angreifbar und große Teile ihres Erfolges erstickten im Blut und Elend des dreißigjährigen Krieges. So fiel das Blut der Jünger sofort auf eine ungehorsame Kirche zurück. Aber sie kehrte nicht um.

Jesus war nicht sesshaft. Das war in dem Moment zu Ende, als der Vater ihn rief. Ab dann tat er Tag für Tag das, was der Vater von ihm wollte. Und er zeigte seinen Jüngern und Freunden mit seinem Leben, wie das ging. Er lebte ohne Bleibe. Trotz eines gewaltigen Trosses von Menschen, die mit ihm zogen. Es ergab sich alles auf dem Weg. Und am Ende musste Petrus bekennen, dass sie niemals Mangel gehabt hatten. Aber sie waren frei zu kämpfen, das Evangelium zu verkündigen, Kranke zu heilen und Dämonen auszutreiben. Sie lernten während sie handelten. Sie lernten während sie zusahen. Sie lernten mit jedem Schritt. Sie lernten, dass sie auf dem Wasser gehen konnten. Tag für Tag. Leicht fiel ihnen das nicht. Aber sie lernten. Und die junge Gemeinde lebte von dem, was sie bei Jesus gelernt hatten.

Damit das ganz klar ist: wir sind frei. Frei dazu, auf dem Wasser zu gehen. Und nicht weniger ist von uns gefordert. Wir können das nur, wenn wir uns genau an die Anweisungen halten, die Gott uns gibt. Ist das noch Freiheit? Ja, und nur das. Denn sonst halten wir uns genau an die Anweisungen, die Mammon uns gibt, oder ein anderer Götze. Das ist keine Freiheit.

Die Apostel in Jerusalem legten größten Wert darauf, dass sie Zeit haben um zu beten. Sie weigerten sich, administrative Arbeiten zu übernehmen. Hätten sie's getan, sie wären sofort in die Marthafalle gelaufen, die Falle der Sachzwänge und der Geschäftigkeit. Martha war jene Frau, die vorwurfsvoll mit den Töpfen geklappert hatte, während Jesus lehrte. Stattdessen sorgten die Apostel dafür, dass andere, für diese Aufgabe Berufene, das Management übernehmen. So war die Ordnung Gottes. Und hier liegt ein Schlüssel. Jesus lebte so. Gebet war ein zentraler Bestandteil seines Lebens. Ohne Gebet hätte er nicht handeln können. Gebet ist ein kreativer Prozess, eine Kreativbesprechung mit dem lebendigen Gott. Das braucht Zeit und Aufmerksamkeit. Hier ist die Quelle, aus der sich alle weiteren Treffen, Gespräche und Taten ergeben. Fehlt diese Quelle, geraten wir aus den Fugen. Mit dieser Quelle kann sich der ganze Tross frei bewegen und tun, wozu Gott ihn gesandt hat und empfangen, was Gott für ihn vorgesehen hat.

Dann ist das ganze Leben der Gemeinde ein Gottesdienst. Und was für einer.

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05 Oktober 2005

Die Illusionsmaschine

Wir werden eingelullt. Das nehmen wir gern und freiwillig auf uns. Ja, wir beteiligen uns bereitwillig im Chor Schlafliedsänger. Da ist ein riesiges Belohnungs- und Lügensystem aufgebaut, übzogen mit Illusionen und Versprechungen, vor allem Versprechungen von Glück, Sicherheit und Wohlstand, von Vergnügen und Anerkennung.

Aber niemand nimmt ernst, dass wir zu sterben haben und dass dann ein Gericht kommt, dem wir uns stellen müssen, ob wir wollen oder nicht. Es gibt dann kein Entkommen mehr.

Die Versprechungen sind leer. Das Glück fällt heute aus. Und im Alter wird es zu spät sein zur Umkehr. Zu mächtig wurden die Lügen im Laufe des Lebens. Dann trifft der Tod uns unvorbereitet. Die Lügen reißen auf und der ganze Schrecken eines vertanen Lebens bricht über uns herein. Wir haben alle nur gespielt. Wir haben bunte Spielsachen und kleine bedruckte Zettel mit Zahlen aufgehoben. Wir haben Nichtiges auf Vergängliches gehäuft. Aber wir haben nicht gelebt. Wir haben bunte Filme und glitzernde Shows angesehen. Aber wir haben nicht gelebt. Wir haben unser Leben im Leerlauf brabbeln lassen, manchmal sinnlos darauf eingedroschen um wenigstens die Illusion zu haben, dass etwas geschieht. Das einzige, was wir damit beschleunigten war der eigene Tod.

Es hat sich mir tief eingebrannt, als wir in Sanary Sur Mer an der Cote d´ Azur langsam durch eine lautes, buntes Volksfest fuhren und im Cassettendeck ein Lied vom Jüngsten Tag spielte: „No escape, there is no escape from the hand of the Lord.“

Es gibt kein Entrinnen vor der Hand Gottes. Unsere Chance, unsere einzige Chance ist die, jetzt und freiwillig in seine Hand hinein zu laufen. Jetzt seinem Urteil recht zu geben, den Tod zu empfangen und die Auferstehung aus seiner liebenden Hand.

Das ist der Moment der Befreiung. Dann gibt es keinen Tod mehr für uns. Nur noch das volle Leben. Aber nicht mehr das Leben dieser Welt. Ihre Versprechungen und Lügen haben für uns aufgehört.

Alle anderen werden bis ins Mark erschrecken. Entsetzen wird sie packen und sie können nicht umkehren. Ihr selbstgewählter Weg wird ihr endgültiges Schicksal. Das alles ist kein Spiel. Es ist die entsetzliche Wahrheit.

Darum müssen uns Schrecken und Hass und allergrößte Liebe erfüllen. Schrecken vor dem Gericht, das unseren Nächsten ereilt. Ein unbändiger Hass auf die Lügen und Werke des Teufels. Und eine übermächtige Liebe zu den verlorenen Menschen.

Dass wir endlich aufhören uns ein gemütliches Plätzchen in der Illusionsmaschine herzurichten und die gleichen Dinge zu tun wie alle anderen um uns herum, nur dass wir zuvor ein bisschen beten und die schlimmsten Wörter weglassen.

Wer am Herzen Gottes lebt, der teilt Gottes Wünsche. Er teilt Gottes Liebe und seine Absichten. Für den werden die Versprechen und Belohnungen dieser Welt bedeutungslos. Denn er hat einen ganz anderen, unerhörten Reichtum empfangen, die Gemeinschaft mit Gott. Und sie wird ewig dauern. Größeres kann niemand erlangen, als Gottes Nähe.

27 September 2005

Darum lachen die Heiden

Bei Jesaja heißt es, dass die Heiden wegen der Israeliten über Gott lachen. Gottes eigenes Volk machte aus dem Glauben an ihn eine lächerliche, verschrobene und wirkungslose Sache. Die Menschen betrachteten, was dort geschah, welche Riten, welche Doppelmoral und welche Dummheit blühten unter dem Vorwand des Gottesglaubens. Und sie lachten. Wer will es ihnen verdenken?

Dieselbe Schuld hat die Kirche längst auf sich geladen. Ihre überaus törichte Wissenschaftsfeindlichkeit, ihre durchsichtigen Manöver sich zu bereichern, ihre grauenhaften Morde. Wie soll diese Kirche sich in der Öffentlichkeit noch zeigen ohne schamrot zu werden? Ihre unglaubliche Feigheit, ihre lächerliche Pedanterie, ihre schrillen blutleeren Riten. Die Heiden lachen nur. Der Gott solcher Wichte muss doch selbst ein Wicht sein.

Kirche muss sich nicht wundern, wenn sie verspottet wird. Sie bietet so viele offene Flanken.

Was aber selbst die kümmerlichste Kirche noch immer wie ein Faustpfand hat, das ist das Wissen in jedem Heiden, dass es einen Gott gibt. Der leise Zweifel lässt sie niemals ganz los. Er lässt sie selbst dann noch zu Felde ziehen, wenn diese lächerliche Kirche ein kleines bisschen Erfolg hat. Denn es gibt viele Menschen, die nach Gott suchen. Sie gestehen sich ein, dass da ein tiefes Bedürfnis in ihnen steckt.

So etwas ärgert die Heiden. Sie wollen lieber, dass alle so sind wie sie selbst, Menschen, die aktiv und absichtsvoll diese leise Stimme im eigenen Herzen zu übertönen versuchen. Doch wie soll das Geschöpf seinen Schöpfer jemals loswerden? Es lebt von seiner Hand und begegnet seinen Werken bei jedem Schritt. Und wenn noch so gründlich auf jedes Stück das Etikett der zufälligen Evolution geklebt wird, so lässt sich der letzte Zweifel einfach nicht ausräumen.

So nehmen sie mit vollen Händen von den vermeintlichen und tatsächlichen Fehlern der Kirchen und nehmen als Beweis und Vorwand, was immer sich finden lässt. Sie sagen, dieser Gott ist lächerlich und wahrscheinlich längst tot, ja, es hat ihn vermutlich gar nicht gegeben.

Allerdings ist das noch immer besser als zu sagen, da muss irgend etwas sein, ein göttliches Prinzip, oder etwas in der Art. Da ahnt der Mensch, dass es Gott gibt, gibt das laut zu, aber er denkt nicht im Traum daran, ihn zu suchen. Ich wüsste nicht, was man dümmeres tun könnte. Aber bequem ist es. Man lebt einfach seinen Stiefel weiter. Was für eine Verschwendung des eigenen Lebens. Wenn es Gott wirklich gibt, dann ist dies die wichtigste Tatsache für das Leben eines jeden Menschen.

Gott soll zum Schweigen gebracht werden, die Erinnerung an ihn ausgelöscht. Die Menschheit will sich losketten, selbst um den Preis, dass sie dann ins Nichts stürzt. Da liefert die Kirche eine wohlfeile Ausrede. Wenn das Gott sein soll, was die da anbieten, und wenn das Leben mit Gott aussieht, wie das Leben dieser Leute, dann lehne ich dankend ab. Es ist ein solcher Jammer, wenn vor das Ärgernis des Glaubens, das Ärgernis des Kreuzes und der Nachfolge ein Ärgernis der Kirche gestellt wird, das den Blick vermauert. Besser ärgern sich die Menschen über das, was Gott tatsächlich sagt.

Eines verbindet sie alle, Heiden wie Kirchliche, sie wollen fast alle von Gott in Ruhe gelassen werden. Die einen lehnen ihn geradeheraus ab, die andern wollen ihn mit ein paar frommen Riten ruhigstellen. Sie wollen, dass er seinen Segen auf ihr kleines Leben legt, für sie sorgt und sie am Ende in den Himmel aufnimmt. Auf dem Wege sind sie dankbar für ein paar schöne religiöse Gefühle. Das reicht. Passend dazu gibt es einen willfährigen kirchlichen Apparat, der das religiöse Bedürfnis der Menschheit verwaltet und davon lebt. Eine solche menschengemachte Religion im Namen Gottes ist eine schwere Sünde und eine große Schande. Für diese Schuld wurde Israel mit Krieg überzogen, verbannt und verlor schließlich für Jahrtausende seine Heimat. Was glauben die Kirchen, was ihnen blüht. Sie haben keinen Grund, sich sicher zu fühlen. Ihre Schuld wiegt nicht weniger, als die der Juden.

Es wird eine Zeit der Umkehr geben. Ein Rest wird sich Gott wieder zuwenden. Ich fürchte, dass er klein ist. Denn noch immer verfolgt die Kirche ihre Propheten und Apostel, wie es schon immer geschah. Aber die Zeit der Wiederherstellung wird kommen. Sie muss kommen. Es wäre entsetzlich, wenn Gott unser Volk verwirft. Es ist schrecklich in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Es ist schrecklich, die Gnade und den Segen zu verlieren.

Die Kleingeister, die glauben, sich mit der Kirche auch über Gott erheben zu können, die nichts verstehen und nichts verstehen wollen, wird ein hartes Gericht treffen. Noch schwerer wird es aber jene treffen, die aus dem Glauben ein Geschäft gemacht haben und jenen den Weg versperren, die Gott suchen. Und es wird solche treffen, die wissen, dass ein Gott ist, ihn aber dennoch nicht suchen.

Gott, sei meinem Volk gnädig. Habe Erbarmen mit der Kirche. So lächerlich und zersplittert und verirrt sie auch ist. Es sind Menschen darin die dich lieben und dir folgen. Es sind Menschen darin, die nicht nur ein paar religiöse Gefühle suchen, sondern dich selbst, den lebendigen. Du kennst sie. Sei ihnen gnädig. Leite sie in deiner Wahrheit. Leite sie. Gib ihnen Hirten, die den Namen verdienen. Sende ihnen Apostel und Propheten. Öffne ihre Augen und Ohren. Mache dir Bahn für deine Stimme, dass sie mächtig schallt und aufweckt, was schläft. Mache dir Bahn für deinen Heiligen Geist, dass er hineinbricht wie eine reißende Flut, das alte, scheinbar sichere und kleingläubige Leben wegspült und zerstört. Mache dir Bahn für deinen Geist, der neues Leben in großer Fülle schafft und Gemeinschaft stiftet, dass Menschen sich finden zum mutigen gemeinsamen Gehorsam. Dann steht eine Kirche auf, über die niemand mehr lacht. Dann steht eine Kirche auf, an der die Hölle scheitern muss, so sehr sie auch tobt und schreit.

05 August 2005

Die Furcht des Dämons vor dem Brötchen

Ein Freund, der erstmals bei uns zu Besuch war beobachtete uns als Familie beim gemeinsamen Essen. Er dachte sofort darüber nach, seine beiden Teenagertöchter zu uns zu bringen, damit sie erleben können, wie man gemeinsam isst. Das hat mich erstaunt. Er hatte die Bedeutung gemeinsamen Essens lange vor mir verstanden.

Darum haben die Dämonen unseres Landes so intensiv daran gearbeitet die gemeinsamen Mahlzeiten zu zerstören. Wichtige Schlachten werden mit Gabel und Löffel in der Hand geschlagen. Sie fürchten das belegte Brötchen, wenn es im Kreis der Familie verzehrt wird.

Jesus liebte die Mahlzeiten so sehr, dass er bei den besonders Frommen als Fresser und Weinsäufer verschrien war. Also hatten auch die Dämonen Israels Furcht vor den Mahlzeiten, besonders wenn Jesus dabei war. Seine Kanzel war oft genug der Esstisch, vorzugsweise inklusive dampfender Schüsseln und mampfender Gäste. Obwohl Kanzel hier wohl das falsche Wort ist. Denn die steht ja eher für trockene Langeweile und nicht für saftige Braten. Jesus hatte auch keine Skrupel, sich selber einzuladen. Dabei war er nicht wählerisch. Er aß mit Zöllnern, einer Art Mafiosi, mit Prostituierten und mit Pharisäern, so einer Art Pfarrer oder Kirchenvorsteher. Lauter schräge Typen. Das bedeutet, wir haben eine echte Chance, dass Jesus sich bei uns einlädt oder einladen lässt. Denn schräg sind wir auch.

Es ist gut für uns, wenn wir richtig miteinander zu essen lernen. Und wenn uns beim Risotto die Tränen in den Augen stehen, weil Jesus uns tief berührt hat, dann haben wir im doppelten Sinn etwas wichtiges begriffen.

Ich wünsche mir Mahlzeiten, die Anbetung sind in Dankbarkeit. Ich wünsche mir Mahlzeiten über denen die Weisheit Gottes liegt wie ein mildes Licht. Ich wünsche mir Mahlzeiten, die Leib und Seele satt machen. Ich wünsche mir Mahlzeiten, bei denen das Ohr lauschend zu Gott hin gerichtet ist und zum Tischgenossen. Allerbesten Appetit allerseits.

29 Juli 2005

Die Kraft der Schwachen

Wir müssen endlich wieder begreifen wie groß das Heil in Jesus Christus tatsächlich ist. Es sprengt das eigene kleine Leben und es sprengt das Leben ganzer Gesellschaften und Nationen. Wir leben in einem Land, das erstaunlich orientierungslos geworden ist. Die Parolen sind immer gleich und immer gleich wirkungslos. Die Menschen verlieren ihren Halt. Viele leben in einem großen Wohlstand und in einer erstaunlichen Sicherheit. Aber sie empfinden das nicht. Was sie empfinden ist Unglück und Hoffnungslosigkeit. Sie haben ihre Spielzeuge empfangen und merken, da ist gar nichts und sie sind nichts wert. Trotzdem klammern sie sich daran, in der verzweifelten Hoffnung ihnen doch irgendwie noch einen Sinn abtrotzen zu können. Sie können so nicht weitermachen, weil vieles längst ausgereitzt ist auf ihrem Weg in den äußeren Wohlstand. Die Hoffnungen auf den Besitz trügen sowieso. Offensichtlich muss ein Land nicht in Trümmer sinken, um in eine tiefe innere Krise zu stürzen. Die Auswege sind versperrt und niemand scheint die Schlüssel zu haben. Sollten da tatsächlich einige sein, die Schlüssel besitzen, so werden sie auf jeden Fall nicht gehört. Wahrscheinlich auch deshalb nicht, weil die Türen von denen diese Leute reden nicht den Vorstellungen der meisten Menschen entsprechen. So hämmern alle weiter an die fest verschlossenen Tore. Die Massen verkeilen sich ineinander und immer mehr Menschen verlieren den Halt und versinken in Hoffnungslosigkeit.

Vielleicht treiben wir gerade jetzt auf eine große Chance zu. Doch wo sind Nachfolger zu finden, die begriffen haben, was für eine gewaltige Antwort Gott geben will, kann und wird. Weil jene, die sich Christen nennen so sehr Teil des Systems dieser Welt sind, können sie gar nicht erkennen, welche Antwort Gott geben will. Sie sind nicht frei. Tausendfach sind sie verkettet mit dem System dieser Welt und hundertfach gebunden in religiös-christliche Kirchensysteme, die ihre Bewegungen massiv einschränken und ihr Denken in schwere Fesseln legen. Es soll ja niemand ausscheren. So aber wird unser Land niemals gerettet. Wer von diesen, die sich Christen nennen, auch immer behauptet eine Antwort zu haben, offenbart doch stets mit seinem Leben, dass er sie nicht hat. Denn auch er hängt an den selben Fesseln aus Arbeit, Geld, Wohlstand und Sicherheit wie alle anderen. Auch er sucht seine Hilfe im System, auf dem Arbeitsmarkt, bei den Ärzten und den Vermögensberatern. Diese Christen haben keine Antwort! Sie sind tot. Sie bringen keine Frucht. Ihre Gottesdienste sind jämmerliche Schauspiele. Ihre Hände sind leer. Weil sie den Weg nicht wissen, können sie auch niemanden führen. Sie haben einen schwachen Abglanz der Wahrheit empfangen. Doch Gott hören sie nicht zu und folgen ihm auch nicht. Das können sie gar nicht, da ihre Fesseln nicht durchtrennt sind. Entsetzlich groß wäre ihr Geschrei, käme Gott und begänne zu zerschneiden, was sie bindet. Sie haben ihre Sicherheit nicht in Gott und sie vertrauen ihm nicht.

Sobald aber jemand in ihrer Mitte aufsteht und beginnt, die Wahrheit zu sagen, so verbieten sie im den Mund und schweigt er auch dann nicht, so werfen ihn die Leiter hinaus. Die Kirchen, die sich christlich nennen, leiden an der gleichen Erkrankung wie die Welt um sie herum, denn auch sie haben nur stromlinienförmige Leiter, die dem alten System auf die alte Weise dienen. Erfolg haben sie schon lange nicht mehr, auch keine Vollmacht. Dennoch werden fortwährend auf die stets gleiche Weise einander sehr ähnliche Leiter produziert. Sie erhalten eine Urkunde, auf der verzeichnet steht, dass sie nun Pastoren seien. Aber sie sind blinde Blindenführer. Das einzige, was sie bewachen ist der Ausgang in die Freiheit. Sie gehen nicht hinein, weil es das Ende des Systems wäre, das sie nährt. Und sie lassen auch jene nicht vorbei, die hinaus wollen. So wird im Namen Gottes Gott selbst ausgesperrt. Er darf nur so viel berühren, wie gefahrlos für die Fesseln und falschen Sicherheiten berührt werden kann. Daneben stehen alle Sünden in voller Blüte. Und Unglaube und Ungehorsam sind so sehr die Regel in den Kirchen, dass Glaube und Gehorsam zuerst Erstaunen und dann Unwillen und schließlich Ablehnung hervorrufen. Dieses Prinzip gilt leider für alle Kirchen, so fromm und geistlich und geistbegabt sie sich auch vorkommen mögen. Da sind keine Ausnahmen. Selbst wenn Gott in ihrer Mitte handelt, mit einzelnen redet und Wunder tut, so sind dennoch die Fesseln nicht durchtrennt.

Jetzt ist eine Zeit, in der Gott die Kirchenleute ruft. Doch die meisten kehren zurück ins System. Sie glauben seinen falschen Versprechungen noch immer. Ein kleiner Rest nur wird das Herz haben, dem Ruf Gottes zu folgen, eine versprengte, abgerissene Gruppe merkwürdiger Gestalten wird sich außerhalb der Gemeindemauern sammeln. Sie werden ohne äußere Kraft und Schönheit dastehen, mit sehr wenig Gepäck Einzeln kommen sie herangewankt, schwach und sehr durstig. Ihre Kleider sind verschlissen, ihre Ersparnisse aufgebraucht und ihr Selbstvertrauen ist schwer beschädigt. Und dennoch haben sie das Vertrauen auf Gott nicht aufgegeben, so gefährdet es zuzeiten auch war. Sobald für diese Menschen die Zeit in der Wüste endet und die Fesseln abgestreift sind, beginnt die Zeit des Vertrauens. Vertrauen, Glaube, Gehorsam und Tod bilden eine schmerzhafte und gleichzeitig befreiende Einheit. Es ist der erneute Ruf in die Nachfolge. Aber diesmal wirklich. Diese Leute verlassen das alte System und werden zu Menschen ohne Besitz, ohne Ruheplatz, ohne Verwandtschaft und ohne Recht auf ihr eigenes Leben. Diese Leute machen die Worte Jesu nicht klein, bis sie in ihr altes Leben passen, sondern sie halten sie aus, bis sie daran zugrunde gehen. Denn das alte Leben taugt nicht für die neuen Gaben, die Jesus geben will. So beginnen diese Menschen zu oszillieren zwischen dem neuen Leben aus Jesus und dem alten Leben, das ihnen noch immer anhaftet und anhaften wird, solange sie die Luft dieser Erde atmen. Was sie so anders macht ist, dass sie tatsächlich gehen. Was auch immer es kosten mag, sie gehen. Sie machen sich lächerlich für Jesus, sie werfen sich in den Abgrund für Jesus, sie waten bis zum Bauch im Dreck für Jesus. Sie gehen. Sie hören den Ruf und folgen ihm. Es ist ihnen gleich, ob sie durch die Wüste müssen, durchs Feuer oder durch herrliche Gärten gehen dürfen. Sie gehen einfach. Es ist ihnen gleich, ob sie mit einem Obdachlosen reden sollen oder einem hohen Beamten oder wem auch immer. Sie gehen und reden. Es ist ihnen gleich, ob sie ein großes oder ein kleines Werk anfangen sollen, sie tun es einfach. Sie fragen keinen Pastor um Erlaubnis. Sie handeln. Es ist ihnen gleich, ob sie leben oder sterben, es ist ihnen gleich worauf sie verzichten oder was sie empfangen. Sie sind frei.

Diese Gestalten sind ein schrecklicher Anblick für die Hölle, denn sie können Dämonen austreiben, Krankheiten heilen, alle Arten von Wundern tun. Die Werke des Teufels werden zerstört. Seine Lügen werden entlarvt. Menschen werden frei, neue Wege zu gehen. Diese neuen Leute haben Antworten und haben Kraft. Sie fragen niemanden um Geld oder um Erlaubnis. Sie handeln. Und mit klopfendem Herzen und hoher Freude können wir zusehen, wie ihre Werke gelingen. Sie leben in der Freiheit. Darum können sie andere in die Freiheit rufen. Sie können Gefangene befreien. Das Reich Gottes ist bei ihnen. Der Heilige Geist erfüllt sie. Sie sind eins in Christus. Er ist das Haupt, das sie eint und leitet. Sie sind unberechenbar. Sie folgen keinem Programm und keiner Regel. Es ist immer überraschend, was sie tun. Nirgendwo ist so viel Freude, so viel Frieden, so viel Heil und Leben wie bei diesen Leuten. Sie sind anders. Allein ihre Anwesenheit verändert das Angesicht der Erde. Ihre Anwesenheit verändert eine Region, selbst wenn die meisten Menschen sie gar nicht bemerken. Sogar Nationen werden verändert.

Kirchen die Teil des Systems der Welt sind, sind kraftloses Salz, Reben am Weinstock ohne Frucht. Sie sind zu nichts nütze und nehmen jenen den Platz weg, die Leben haben. Ihre Zeit ist um. Groß ist die Trauer über sie und ihren Ungehorsam. Aber sie haben keine Bedeutung mehr. Sie werden zur Seite geräumt. Mögen sie noch ihre großen Bühnen aufbauen, Tausende versammeln und ihre Lautsprecher aufdrehen. Gottes Leute sind dabei sie zu verlassen. Und endlich finden sie neuen Raum für einen freien Glauben, der nicht mehr in Worten besteht, sondern in großer Kraft. Die neuen Leute Gottes werden Gefangene in die Freiheit rufen und Tote zum Leben. Sie werden wachsen und jede Art guter Frucht hervorbringen in der Kraft Gottes.

Man kann sich diesen Leuten nicht einfach anschließen wie einer neuen Mode oder einer attraktiveren Gemeinde in der Stadt. Der Preis ist zu hoch. Wer zu ihnen will muss Glauben haben und ihn sofort beweisen. Und ab dann jeden Tag. Man kann dort auch nicht leben, wie man’s gewohnt ist. Es gibt dort keine Hierarchien oder Machtstrukturen. Es gibt ein aufmerksames Lauschen auf die Stimme Gottes. Und weil diese Leute bereit sind zu gehorchen, redet er oft mit ihnen. Das hat zur Folge, dass es keine Deckung gibt, hinter der man sein kleines privates Leben verbergen könnte. Es wird schnell offenbar, was in einem jeden ist. Wer sein Leben nicht opfert, kann nicht dabei bleiben.

Diese Leute hacken mutwillig und mit voller Absicht alles ab, was sie an der Nachfolge hindert. Es ist ihnen lieber arm und verstümmelt in Gottes Reich zu gelangen, als mit irgendeinem Ding verloren zu gehen. Niemand kann einfach mitlaufen. Das heißt nicht, dass nicht ein Judas aufstehen könnte unter ihnen. Denn niemand ist ohne Sünde. Und listenreich ist der Teufel und abenteuerlich und töricht das eigene Herz. Doch Gott lässt sich finden von denen die ihn suchen.

19 Juli 2005

Apostolisch leben

Das ist leicht. Denn es bedeutet nichts weiter, als einfach mitzugehen. Es ist schwer, denn es bedeutet nichts weiter, als einfach mitzugehen.

Es ist leicht, weil du ein redender Gott bist. Und wer deinem Ruf folgt, gerät immer mehr in deine Nähe, wird verändert. Denn Umgang prägt einen Menschen mehr als alles andere. Es ist leicht, weil du die Dinge zusammenführst. Du sorgst für die Umstände, die Begegnungen, selbst für jedes einzelne Wort das fällt. Es ist leicht. Denn du stupst mich an, dass ich weiß, wann ich zu reden und wann ich zu schweigen habe. So kann ich sehr leicht jedwedem Menschen entgegentreten, er sei hoch oder niedrig, Bürgermeister mit goldener Amtskette oder betrunkener Junkie mit Krümeln im Bart. Es ist leicht, weil du sagst, was ich zu tun habe. Du deutest auf dein Wort und ich lese es. Du schickst mich auf die Knie und ich knie vor dir, oder liege im Staub, wenn du das willst. Es ist leicht, weil du zeigst, welche Schritte ich zu unternehmen habe. Und die Wege sind gangbar, wenn auch sehr überraschend mitunter. Es ist leicht, denn du selbst verwirklichst deine Pläne auf deine Weise. Ich bin nur dabei.

Es ist aber auch schwer. Denn plötzlich habe ich zu reden mit einem Junkie, bei dem die Krümel im Bart auf den ersten Blick wie Erbrochenes wirken und den ich gar nicht kenne. Es ist schwer, denn es bedeutet, dass ich mich von manchen Dingen trenne, die du nicht magst, die mir aber ans Herz gewachsen sind. Es ist schwer, weil ich plötzlich mein Leben wagen muss für Schritte, die nach weltlichen Maßstäben überhaupt nicht abgesichert sind. Ich muss auf dem Wasser gehen, manchmal. Es ist schwer, weil ich so viele eigene stolze Gedanken dazu habe, wie dein Werk zu geschehen hat und oft nicht merke, wie ich meine Fummelfinger in Dinge stecke, die ich weder kontrollieren kann noch darf. Es ist schwer, weil ich noch immer Angst bekomme. Weil ich noch immer dem Gehorsam ausweiche. Es ist schwer, weil dir zu folgen immer zu sterben heißt. Und das ist für mich noch nie leicht gewesen.

Aber es ist leicht, weil du so gnädig bist. Es ist leicht, weil du mich liebst. Und alle, die zu mir gehören. Es ist leicht. Und ich lerne während ich gehe. Dir zu gehorchen ist das größte Abenteuer, das größte Glück. Und selbst der Tod verliert all seine Macht an mir. Am Ende wird Leben sein.