Darum lachen die Heiden
Bei Jesaja heißt es, dass die Heiden wegen der Israeliten über Gott lachen. Gottes eigenes Volk machte aus dem Glauben an ihn eine lächerliche, verschrobene und wirkungslose Sache. Die Menschen betrachteten, was dort geschah, welche Riten, welche Doppelmoral und welche Dummheit blühten unter dem Vorwand des Gottesglaubens. Und sie lachten. Wer will es ihnen verdenken?
Dieselbe Schuld hat die Kirche längst auf sich geladen. Ihre überaus törichte Wissenschaftsfeindlichkeit, ihre durchsichtigen Manöver sich zu bereichern, ihre grauenhaften Morde. Wie soll diese Kirche sich in der Öffentlichkeit noch zeigen ohne schamrot zu werden? Ihre unglaubliche Feigheit, ihre lächerliche Pedanterie, ihre schrillen blutleeren Riten. Die Heiden lachen nur. Der Gott solcher Wichte muss doch selbst ein Wicht sein.
Kirche muss sich nicht wundern, wenn sie verspottet wird. Sie bietet so viele offene Flanken.
Was aber selbst die kümmerlichste Kirche noch immer wie ein Faustpfand hat, das ist das Wissen in jedem Heiden, dass es einen Gott gibt. Der leise Zweifel lässt sie niemals ganz los. Er lässt sie selbst dann noch zu Felde ziehen, wenn diese lächerliche Kirche ein kleines bisschen Erfolg hat. Denn es gibt viele Menschen, die nach Gott suchen. Sie gestehen sich ein, dass da ein tiefes Bedürfnis in ihnen steckt.
So etwas ärgert die Heiden. Sie wollen lieber, dass alle so sind wie sie selbst, Menschen, die aktiv und absichtsvoll diese leise Stimme im eigenen Herzen zu übertönen versuchen. Doch wie soll das Geschöpf seinen Schöpfer jemals loswerden? Es lebt von seiner Hand und begegnet seinen Werken bei jedem Schritt. Und wenn noch so gründlich auf jedes Stück das Etikett der zufälligen Evolution geklebt wird, so lässt sich der letzte Zweifel einfach nicht ausräumen.
So nehmen sie mit vollen Händen von den vermeintlichen und tatsächlichen Fehlern der Kirchen und nehmen als Beweis und Vorwand, was immer sich finden lässt. Sie sagen, dieser Gott ist lächerlich und wahrscheinlich längst tot, ja, es hat ihn vermutlich gar nicht gegeben.
Allerdings ist das noch immer besser als zu sagen, da muss irgend etwas sein, ein göttliches Prinzip, oder etwas in der Art. Da ahnt der Mensch, dass es Gott gibt, gibt das laut zu, aber er denkt nicht im Traum daran, ihn zu suchen. Ich wüsste nicht, was man dümmeres tun könnte. Aber bequem ist es. Man lebt einfach seinen Stiefel weiter. Was für eine Verschwendung des eigenen Lebens. Wenn es Gott wirklich gibt, dann ist dies die wichtigste Tatsache für das Leben eines jeden Menschen.
Gott soll zum Schweigen gebracht werden, die Erinnerung an ihn ausgelöscht. Die Menschheit will sich losketten, selbst um den Preis, dass sie dann ins Nichts stürzt. Da liefert die Kirche eine wohlfeile Ausrede. Wenn das Gott sein soll, was die da anbieten, und wenn das Leben mit Gott aussieht, wie das Leben dieser Leute, dann lehne ich dankend ab. Es ist ein solcher Jammer, wenn vor das Ärgernis des Glaubens, das Ärgernis des Kreuzes und der Nachfolge ein Ärgernis der Kirche gestellt wird, das den Blick vermauert. Besser ärgern sich die Menschen über das, was Gott tatsächlich sagt.
Eines verbindet sie alle, Heiden wie Kirchliche, sie wollen fast alle von Gott in Ruhe gelassen werden. Die einen lehnen ihn geradeheraus ab, die andern wollen ihn mit ein paar frommen Riten ruhigstellen. Sie wollen, dass er seinen Segen auf ihr kleines Leben legt, für sie sorgt und sie am Ende in den Himmel aufnimmt. Auf dem Wege sind sie dankbar für ein paar schöne religiöse Gefühle. Das reicht. Passend dazu gibt es einen willfährigen kirchlichen Apparat, der das religiöse Bedürfnis der Menschheit verwaltet und davon lebt. Eine solche menschengemachte Religion im Namen Gottes ist eine schwere Sünde und eine große Schande. Für diese Schuld wurde Israel mit Krieg überzogen, verbannt und verlor schließlich für Jahrtausende seine Heimat. Was glauben die Kirchen, was ihnen blüht. Sie haben keinen Grund, sich sicher zu fühlen. Ihre Schuld wiegt nicht weniger, als die der Juden.
Es wird eine Zeit der Umkehr geben. Ein Rest wird sich Gott wieder zuwenden. Ich fürchte, dass er klein ist. Denn noch immer verfolgt die Kirche ihre Propheten und Apostel, wie es schon immer geschah. Aber die Zeit der Wiederherstellung wird kommen. Sie muss kommen. Es wäre entsetzlich, wenn Gott unser Volk verwirft. Es ist schrecklich in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Es ist schrecklich, die Gnade und den Segen zu verlieren.
Die Kleingeister, die glauben, sich mit der Kirche auch über Gott erheben zu können, die nichts verstehen und nichts verstehen wollen, wird ein hartes Gericht treffen. Noch schwerer wird es aber jene treffen, die aus dem Glauben ein Geschäft gemacht haben und jenen den Weg versperren, die Gott suchen. Und es wird solche treffen, die wissen, dass ein Gott ist, ihn aber dennoch nicht suchen.
Gott, sei meinem Volk gnädig. Habe Erbarmen mit der Kirche. So lächerlich und zersplittert und verirrt sie auch ist. Es sind Menschen darin die dich lieben und dir folgen. Es sind Menschen darin, die nicht nur ein paar religiöse Gefühle suchen, sondern dich selbst, den lebendigen. Du kennst sie. Sei ihnen gnädig. Leite sie in deiner Wahrheit. Leite sie. Gib ihnen Hirten, die den Namen verdienen. Sende ihnen Apostel und Propheten. Öffne ihre Augen und Ohren. Mache dir Bahn für deine Stimme, dass sie mächtig schallt und aufweckt, was schläft. Mache dir Bahn für deinen Heiligen Geist, dass er hineinbricht wie eine reißende Flut, das alte, scheinbar sichere und kleingläubige Leben wegspült und zerstört. Mache dir Bahn für deinen Geist, der neues Leben in großer Fülle schafft und Gemeinschaft stiftet, dass Menschen sich finden zum mutigen gemeinsamen Gehorsam. Dann steht eine Kirche auf, über die niemand mehr lacht. Dann steht eine Kirche auf, an der die Hölle scheitern muss, so sehr sie auch tobt und schreit.


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