Die Furcht des Dämons vor dem Brötchen
Ein Freund, der erstmals bei uns zu Besuch war beobachtete uns als Familie beim gemeinsamen Essen. Er dachte sofort darüber nach, seine beiden Teenagertöchter zu uns zu bringen, damit sie erleben können, wie man gemeinsam isst. Das hat mich erstaunt. Er hatte die Bedeutung gemeinsamen Essens lange vor mir verstanden.
Darum haben die Dämonen unseres Landes so intensiv daran gearbeitet die gemeinsamen Mahlzeiten zu zerstören. Wichtige Schlachten werden mit Gabel und Löffel in der Hand geschlagen. Sie fürchten das belegte Brötchen, wenn es im Kreis der Familie verzehrt wird.
Jesus liebte die Mahlzeiten so sehr, dass er bei den besonders Frommen als Fresser und Weinsäufer verschrien war. Also hatten auch die Dämonen Israels Furcht vor den Mahlzeiten, besonders wenn Jesus dabei war. Seine Kanzel war oft genug der Esstisch, vorzugsweise inklusive dampfender Schüsseln und mampfender Gäste. Obwohl Kanzel hier wohl das falsche Wort ist. Denn die steht ja eher für trockene Langeweile und nicht für saftige Braten. Jesus hatte auch keine Skrupel, sich selber einzuladen. Dabei war er nicht wählerisch. Er aß mit Zöllnern, einer Art Mafiosi, mit Prostituierten und mit Pharisäern, so einer Art Pfarrer oder Kirchenvorsteher. Lauter schräge Typen. Das bedeutet, wir haben eine echte Chance, dass Jesus sich bei uns einlädt oder einladen lässt. Denn schräg sind wir auch.
Es ist gut für uns, wenn wir richtig miteinander zu essen lernen. Und wenn uns beim Risotto die Tränen in den Augen stehen, weil Jesus uns tief berührt hat, dann haben wir im doppelten Sinn etwas wichtiges begriffen.
Ich wünsche mir Mahlzeiten, die Anbetung sind in Dankbarkeit. Ich wünsche mir Mahlzeiten über denen die Weisheit Gottes liegt wie ein mildes Licht. Ich wünsche mir Mahlzeiten, die Leib und Seele satt machen. Ich wünsche mir Mahlzeiten, bei denen das Ohr lauschend zu Gott hin gerichtet ist und zum Tischgenossen. Allerbesten Appetit allerseits.


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