Du bist der Keks
Nichts, absolut nichts davon. Der Dornbusch brannte, Gott sprach und Mose erhielt die Offenbarung Gottes. Warum spricht Gott dann nicht viel öfter durch Steine, Türklinken oder Gummibärchen? Weil die nicht antworten können. Weil sie keinen eigenen Willen haben und darum auch nicht freiwillig glauben und handeln können. Gott liebt es, wenn wir ihm vertrauen. Er liebt es, wenn wir mit ihm reden, wie Kinder mit ihrem Vater. Er liebt es, wenn wir einfach tun, was er sagt, ohne langes Trara.
Es ist absolut Gottes Sache, wie und wann er durch uns wirkt. Er entscheidet, was er tut, wann er es tut und auf welche Weise. Wir haben damit überhaupt nichts zu tun. Der Stolz in uns findet das natürlich blöd. Aber wir sind nicht im Geringsten dazu in der Lage, Gottes Willen aus unserer Kraft heraus zu tun. Mose hatte das vierzig Jahre zuvor versucht, als er einen Ägypter erschlug, um einem Landsmann zu helfen und war kläglichst gescheitert. Das ist so, als wollte ein trockener Dornstrauch versuchen aus seiner eigenen Kraft heraus zu brennen. Wie lange brennt ein trockener Dornstrauch? Der verbrennt so schnell, dass es fast eine Verpuffung ist. Wuff und weg. Mose hat vierzig Jahre gebraucht, um so weit zu kommen, dass Gott wenigstens mit ihm darüber reden konnte. Aber rumgezickt hat er immer noch. „Nää, ich kann das nicht, ich kann nicht reden, das sind so viele, die werden mir nicht folgen und da ist noch der Pharao. Schick doch jemand anders“. Die erste Lektion hatte er immerhin gelernt: Wenn ich versuche Gottes Willen aus meiner Kraft und auf meine Weise zu tun, macht es Wuff und Ende. Denn es war ja ganz klar Gottes Wille, dass das Volk befreit wurde. Aber nicht durch die Kraft des Mose, sondern durch seine Kraft. Wir wollen so gerne mischen. Ein bisschen unsere Kraft, damit unser Stolz nicht so rummault und wir was zum Angeben haben, und gaaanz viel Kraft Gottes, weil es sonst nicht wirklich geht. Aber bitte auf unsere Weise, also Wasserfall und nicht Feuer. Niiicht Feuer! Nix da. Ja, sind wir denn vollständig bescheuert? Pfoten weg, von dem, was Gott tun will. Deine und meine kleinen Rattenpfötchen haben am Werk Gottes aber auch gar nichts zu suchen. Ich fasse doch auch nicht an eine Starkstromleitung. Es geht nicht um uns. Es geht um ihn und was er tun will. Du bist der Keks, der Dornstrauch, das Gummibärchen. Und wenn Gott dich schickt, dann sagst du, Tschüss Mama, tschüss Papa, tschüss Kumpels, tschüss Computer, tschüss Berufspläne, ich muss was erledigen. Vielleicht komme ich mal wieder, vielleicht auch nicht. Dann gehst du und machst es. Gott wird sich durch dich offenbaren. Er liebt es wenn er das tun kann, ohne dass du deine Birne ständig ins Bild schiebst. Das zu lernen, geht nur auf die harte Tour. Meistens lässt Gott uns warten und schmoren. Bei Mose waren’s vierzig Jahre, bei mir bisher zehn, keine Ahnung, was dir bevorsteht. Aber rechne nicht mit einem Schnellkurs. Je schneller du fertig werden willst, um so länger dauert es. So was ist tödlich für die eigenen Ambitionen. Am Ende sind wir besser in der Lage zu sagen: Du, Herr, sollst zu Ehren kommen. Meine Birne lassen wir da schön raus.
Gott hat so großes mit dir vor. Du sollst Kranke heilen, Tote auferwecken, Dämonen austreiben und Menschen, die in ihren Sünden tot sind in das Leben mit Gott rufen. Das kannst du gar nicht. Wenn du da deine Birne ins Bild hältst oder deine Methoden verwenden willst, geht da überhaupt nichts. Wuff und weg.
Wenn du ein bisschen Sonntagsgottesdienst willst, Hauskreis und Kirchenchor, oder besser Worshipband, all dieses belanglose fromme Einerlei, das völlig ohne Risiko über die Bühne geht, dann bist du absolut falsch bei Gott. Spiel weiter. Du und ich haben nichts miteinander zu tun.
Wenn du glaubst, du bist ein begnadeter Mensch und wirst die Welt schon retten, zumindest einen Teil davon. Dann tu es. Das ist besser als gute Gefühle in der Anbetungszeit. Es sind zwar Scheißgefühle, wenn’s nicht klappt und du merkst, es macht einfach wuff und du bist weg. Aber du hast wenigstens die Chance etwas Wichtiges zu begreifen: Du kannst es nicht. Du bist es nicht. Vergiss es. Je eher, desto besser.
Weil aber niemand diese Dinge theoretisch versteht, müssen wir wahrscheinlich alle die Wuff-und-weg-Erfahrung machen. Das tut sauweh. Aber es hat mit dem zu tun, was die Bibel sterben nennt. Sterben für die Sünde, sterben für das alte Leben, sterben für den Stolz. Dann lässt Gott uns schmoren. Er lässt auch ein paar Dinge verbrennen in unserem Leben, hängt uns ein paar satte Probleme um den Hals und lässt kostbare Zeit verstreichen. Er hat so Großes vor. Da kann er es sich nicht leisten, dass wir jeden Augenblick rumzicken und unsere eigene Birne ins Bild halten. Er kann und will es sich nicht leisten, dass wir immer wieder unsere kleinen Pfötchen dazwischenhalten, wenn er gewaltige Dinge bewegt. Denn dann muss er immer wieder stoppen, schon allein damit wir unsere Fummelfinger behalten.
Gott ist Gott und du bist der Keks. Wenn das klar ist, hast du eine echte Chance Gott kennen zu lernen und zu seinem Freund zu werden. Mose konnte alles tun, was Gott von ihm verlangte. Das Meer teilte sich, Essen fiel vom Himmel und Wasser quoll aus dem Felsen. Er erhielt das Gesetz Gottes und er formte aus dem Lotterhaufen in der Wüste ein Volk, das Gottes Gedanken verkörperte. Konnte Mose so etwas tun? Niemals. Er war nur der Keks, der Dornstrauch. Und Gott tat es. Mose war der demütigste Mensch, heißt es. Und Gott sprach mit ihm, wie ein Mann mit seinem Freund redet. In diesen beiden Dingen lag das Geheimnis der bleibenden Kraft Moses. Aber er lebte weder das schöne Leben am ägyptischen Königshof, das er hätte haben können, noch das ruhige Leben eines Hirten am Rande der Wüste, mit netter Frau und glücklicher Familie. Es ist ein elender Irrtum zu glauben, Gott verleiht dem Leben, das du gerne führen möchtest, eine fromme Goldkante samt garantiertem Platz im Himmel. Ich weiß nicht, wer sich so was ausdenkt. Du wirst sterben müssen, wenn du das Leben haben willst. Das ist nicht bequem und nicht sicher und überhaupt nicht leicht.
Die Sache mit Israel ist bereits erledigt. Deine Sache aber noch nicht. Was willst du tun? Und wenn du jetzt richtig Schiss hast, ist das ein gutes Zeichen. Wer noch lächelt hat möglicherweise nichts verstanden. Wer Schiss hat, mit dem bin ich bereit zu reden. Wer das hier einfach cool findet, ist für mich nicht interessant. Ich verschwende ungern Zeit.


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